Publikationen nach Arbeitsgruppe:

Ausgewählte Publikationen der AG Bewegung

Kontaktperson

Dr. rer. medic.
Nico De Lazzari

Sportwissenschaftler

High-Intensity Interval Training Boosts Immune Cells in Advanced Cancer Patients and Healthy Controls: Implications for Cancer Care

Kiehl F, De Lazzari N, Beller R, Deppe I, Bennstein SB, Botzenhardt S, Salvador Comino MR, Tewes M, Götte M. Cancer Med. 2026;15(6):e71977. doi:10.1002/cam4.71977

Beteiligte Forschende aus dem Team: Nico De Lazzari, Maria Rosa Salvador Comino, Mitra Tewes

Jahr: 2026

Journal: Cancer Medicine

Hintergrund: Regelmäßige Bewegung verbessert die Lebensqualität und verringert Fatigue bei Menschen mit fortgeschrittener Krebserkrankung; die akuten Immunreaktionen sind jedoch kaum erforscht. Die Studie untersuchte, wie sich eine einzelne HIIT-Einheit auf natürliche Killerzellen (NK-Zellen) und zirkulierende angeborene lymphoide Zellen (cILCs) auswirkt.

Methoden: 20 Erkrankte unter Chemotherapie (überwiegend Bauchspeicheldrüsenkrebs) wurden mit 19 altersgleichen gesunden Kontrollpersonen verglichen. Beide Gruppen absolvierten ein 20-minütiges HIIT; Blutproben wurden vor, direkt nach und eine Stunde nach der Belastung entnommen und mittels Durchflusszytometrie analysiert. Lebensqualität, Fatigue und Ernährung wurden per Fragebogen erfasst.

Ergebnisse: Direkt nach dem Training stieg die Zahl der NK-Zellen in beiden Gruppen deutlich an (im Mittel +50 % bei den Erkrankten, +38 % bei den Kontrollen) und fiel in der Erholungsphase wieder ab. Die cILCs nahmen nur während der Belastung signifikant zu. Ein stärkerer Anstieg der NK-Zellen hing mit einer höheren Trainingsherzfrequenz zusammen.

Fazit: Eine einzelne HIIT-Einheit mobilisierte vorübergehend NK-Zellen und cILCs bei Erkrankten unter Chemotherapie. Akutes HIIT ist in dieser Gruppe durchführbar und liefert erste Hinweise auf trainingsbedingte Veränderungen der Immunzellzahlen.

Keywords: fortgeschrittene Krebserkrankung, zirkulierende angeborene lymphoide Zellen, natürliche Killerzellen, Palliativversorgung, körperliche Aktivität

Resistance training in cachectic pancreatic and lung cancer patients: randomised controlled trial

Niels T, Stich L, Siebert S, Man S, De Lazzari N, Tewes M, Schörghofer H, Waldschmidt D, Baumann FT. BMJ Support Palliat Care. 2025;16(1):112-121. doi:10.1136/spcare-2025-005516

Beteiligte Forschende aus dem Team: Nico De Lazzari, Mitra Tewes

Jahr: 2025

Journal: BMJ Supportive & Palliative Care

Ziel: Bauchspeicheldrüsen- und Lungenkrebs gehen häufig mit einer Tumorkachexie einher, die Lebensqualität, Behandlungsergebnisse und Prognose verschlechtert. Untersucht wurden Durchführbarkeit und Wirksamkeit eines 24-wöchigen exzentrisch betonten Krafttrainings (ERT).

Methoden: 22 Erkrankte mit Kachexie wurden im Verhältnis 2:1 auf betreutes Krafttraining (n=14) oder Standardversorgung (n=8) verteilt. Trainiert wurde zweimal wöchentlich über 24 Wochen. Erfasst wurden u. a. Machbarkeit (Rekrutierung, Abbrüche, Nebenwirkungen, Adhärenz), Körperzusammensetzung, körperliche Leistungsfähigkeit sowie Lebensqualität, Fatigue, Angst/Depression und Aktivitätsniveau.

Ergebnisse: Die Trainingsadhärenz lag bei knapp 64 %. Nach 12 Wochen verbesserte sich die Trainingsgruppe u. a. bei aerober Kapazität und funktioneller Kraft. Nach 24 Wochen verschlechterte sich die Körperzusammensetzung in der Standardgruppe im Vergleich zur Trainingsgruppe. Schwere trainingsbedingte Zwischenfälle traten nicht auf.

Fazit: Betreutes exzentrisches Krafttraining scheint bei kachektischen Krebspatientinnen und -patienten durchführbar zu sein und kann die körperliche Leistungsfähigkeit und das Befinden erhalten oder verbessern.

Keywords: Kachexie, Krebs, Bauchspeicheldrüse (Pankreas), Rehabilitation, supportive Versorgung

The impact of a single HIIT intervention on the mobilization of NK cells and ILCs in adolescents and young adults (AYA) undergoing cancer treatment

Deppe I, Beller R, Kiehl F, De Lazzari N, Bennstein SB, Reinhardt D, Dirksen U, Götte M. BMC Cancer. 2025;25(1):689. doi:10.1186/s12885-025-14058-3

Beteiligte Forschende aus dem Team: Nico De Lazzari

Jahr: 2025

Journal: BMC Cancer

Ziel: Untersucht wurde, wie Immunzellen – insbesondere natürliche Killerzellen (NK-Zellen) und angeborene lymphoide Zellen (ILCs) – bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen (AYA) während einer Krebsbehandlung auf akute Belastung reagieren, um Nutzen und Machbarkeit von Bewegung in dieser vulnerablen Gruppe einzuschätzen.

Methoden: 20 AYA-Erkrankte (Ø 25 Jahre) und 20 altersgleiche gesunde Kontrollpersonen (Ø 27 Jahre) absolvierten ein 20-minütiges HIIT auf dem Fahrradergometer. Blut wurde vor, direkt nach und eine Stunde nach der Einheit entnommen und mittels Durchflusszytometrie analysiert.

Ergebnisse: Direkt nach dem Training stiegen NK-Zellen, ILCs und mehrere ihrer Untergruppen in beiden Gruppen deutlich an und gingen in der Erholungsphase wieder zurück. Ein jüngeres Alter und höhere Herzfrequenzen während des Trainings hingen mit einer stärkeren Mobilisierung der Immunzellen zusammen.

Fazit: HIIT mobilisiert Immunzellen bei AYA-Krebspatientinnen und -patienten in gleichem Maß wie bei Gesunden. Die Pilotstudie deutet darauf hin, dass Bewegung eine wichtige Rolle bei der Abwehr spielen könnte und AYA von regelmäßigem Training während der Krebstherapie profitieren könnten.

Keywords: AYA (Jugendliche und junge Erwachsene), angeborene lymphoide Zellen, natürliche Killerzellen, Onkologie, körperliche Aktivität, Sarkom

P-move: a randomized control trial of exercise in patients with advanced pancreatic or biliary tract cancer (aPBC) receiving beyond first-line chemotherapy

De Lazzari N, Götte M, Kasper S, Meier E, Schuler M, Pogorzelski M, Siveke JT, Tewes M. Support Care Cancer. 2024;32(7):437. doi:10.1007/s00520-024-08650-9

Beteiligte Forschende aus dem Team: Nico De Lazzari, Mitra Tewes

Jahr: 2024

Journal: Supportive Care in Cancer

Ziel: Menschen mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsen- oder Gallenwegskrebs (aPBC) leiden häufig unter hoher Symptomlast. Bewegung kann Nebenwirkungen mindern und patientenbezogene Ergebnisse verbessern, doch belastbare Studien im fortgeschrittenen Stadium fehlen. Ziel war es, Durchführbarkeit und Wirkung von Trainingstherapie zu prüfen.

Methoden: Erkrankte jenseits der Erstlinientherapie wurden – stratifiziert nach Geschlecht, Alter und Gewichtsverlust – in eine Interventions- oder Kontrollgruppe randomisiert. Die Interventionsgruppe trainierte 8 Wochen lang dreimal wöchentlich (eine betreute Krafteinheit, zwei individuelle Einheiten zu Hause); die Kontrollgruppe erhielt Bewegungsempfehlungen.

Ergebnisse: 41 Erkrankte (Stadium IV) nahmen teil; trainingsbedingte Zwischenfälle traten nicht auf. Die körperliche Funktion verbesserte sich in der Trainingsgruppe in 5 von 7 Bereichen signifikant, mit deutlichen Vorteilen u. a. bei Bein- und Brustpresse. Auch Verstopfung und Fatigue besserten sich, und die Lebensqualität blieb stabil bzw. stieg, während sie in der Kontrollgruppe sank.

Fazit: Bewegung ist bei aPBC unter weiterführender Therapie sicher und durchführbar und verbessert körperliche Funktion und Lebensqualität.

Keywords: Tumorkachexie, palliative Chemotherapie, Bauchspeicheldrüsen- und Gallenwegskrebs, körperliche Aktivität, Krafttraining

A Systematic Review of the Safety, Feasibility and Benefits of Exercise for Patients with Advanced Cancer

De Lazzari N, Niels T, Tewes M, Götte M. Cancers (Basel). 2021;13(17):4478. doi:10.3390/cancers13174478

Beteiligte Forschende aus dem Team: Nico De Lazzari, Mitra Tewes

Jahr: 2021

Journal: Cancers (Basel)

Hintergrund: Trainingstherapie ist eine verbreitete unterstützende Maßnahme in der kurativen Krebsbehandlung mit gut belegten positiven Effekten auf Fatigue, Lebensqualität und körperliche Funktion. Bei fortgeschrittener Krebserkrankung fehlt dieses Wissen jedoch weitgehend. Ziel dieser systematischen Übersichtsarbeit war es, Durchführbarkeit und Sicherheit von Trainingsinterventionen sowie ihre Wirkung auf die Symptomlast zu bewerten.

Methoden & Ergebnisse: Eingeschlossen wurden randomisierte und nicht-randomisierte kontrollierte Studien mit fortgeschritten Erkrankten. Nach umfangreicher Literaturrecherche (nach PRISMA) blieben 14 Studien mit 940 Teilnehmenden verschiedener Krebsarten. Die Ergebnisse sprechen für die Sicherheit von Training: Bei 493 Trainierenden traten nur neun unerwünschte Ereignisse und keine schweren auf; die Adhärenz lag bei 86 %.

Fazit: Weitere hochwertige Studien mit größeren Fallzahlen sind nötig. Da verschiedene Krebsarten unterschiedliche Symptome mit sich bringen, sollten künftige Studien krebsartspezifische Gruppen bilden, um die jeweils beste unterstützende Trainingsform zu finden.

Keywords: fortgeschrittene Krebserkrankung, Trainingstherapie, Machbarkeit

Fatigue, barriers to physical activity and predictors for motivation to exercise in advanced Cancer patients

Frikkel J, Götte M, Beckmann M, Kasper S, Hense J, Teufel M, Schuler M, Tewes M. BMC Palliat Care. 2020;19(1):43. doi:10.1186/s12904-020-00542-z

Beteiligte Forschende aus dem Team: Mitra Tewes

Jahr: 2020

Journal: BMC Palliative Care

Hintergrund & Ziel: Körperliche Aktivität kann Fatigue bei Krebserkrankungen entgegenwirken, wird von Menschen mit fortgeschrittener Erkrankung jedoch häufig nur eingeschränkt ausgeübt. Ziel der Studie war es, Barrieren gegenüber körperlicher Aktivität zu erfassen und Faktoren zu identifizieren, die mit der Motivation zur Bewegung zusammenhängen.

Methoden: Eingeschlossen wurden ambulante Erkrankte mit metastasierter Krebserkrankung, die im MIDOS-II-Screening über mittlere bis starke Müdigkeit oder Schwäche berichteten. Erfasst wurden unter anderem Fatigue, Depression, Motivation zur körperlichen Aktivität sowie körperliche, psychische und soziale Barrieren. Insgesamt nahmen 141 von 440 infrage kommenden Erkrankten teil.

Ergebnisse: Besonders häufig wurden therapiebedingte Schwäche, körperliche Symptome und Fatigue als Hindernisse genannt. Motivation erwies sich als stärkster Prädiktor für tatsächliche körperliche Aktivität: Motivierte Erkrankte waren deutlich häufiger körperlich aktiv. Wissen über den Zusammenhang zwischen Bewegung und Lebensqualität, körperliche Aktivität vor der Diagnose sowie Interesse an einem Bewegungsprogramm förderten die Motivation. Fatigue und klinisch relevante Depression wirkten dagegen hemmend.

Fazit: Bei fortgeschrittener Krebserkrankung spielen neben körperlichen Beschwerden insbesondere Motivation und Wissen eine wichtige Rolle für das Bewegungsverhalten. Informationsangebote, motivierende Beratung und individuell angepasste Trainingsprogramme könnten helfen, bestehende Barrieren zu überwinden und körperliche Aktivität zu fördern.

Keywords: fortgeschrittene Krebserkrankung, Fatigue, körperliche Aktivität, Motivation, Barrieren, Bewegung

Improving aerobic capacity in patients with advanced non-small cell lung cancer: study protocol of the 3-armed randomized controlled BREATH trial

De Lazzari N, Wiesweg M, Götte M, Franco J, Mincu RI, Jäger J, Huessler EM, Kuklik N, Stang A, Totzeck M, Tewes M. Trials. 2026;27(1):88. doi:10.1186/s13063-025-09416-2

Beteiligte Forschende aus dem Team: Nico De Lazzari, Jan Franco, Mitra Tewes

Jahr: 2026

Journal: Trials

Hintergrund: Lungenkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland (rund 56.000 Neuerkrankungen 2020). Etwa 65 % werden erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert – oft mit Symptomen wie Fatigue, Schmerzen, Atemnot und Gewichtsverlust. Obwohl Trainingstherapie krebsbedingte Symptome nachweislich lindert und die Lebensqualität verbessert, berücksichtigen die aktuellen Behandlungsleitlinien ihre Rolle kaum.

Methoden: Die BREATH-Studie ist eine prospektive, dreiarmige randomisiert-kontrollierte Studie zur Wirkung von Trainingstherapie bei fortgeschrittenem NSCLC (Stadium IIIB–IV) unter palliativer System-Therapie. 104 Erkrankte werden im Verhältnis 2:1:1 einer Kontrollgruppe (Bewegungsempfehlungen) oder einem von zwei Trainingsarmen zugeteilt: Ausdauertraining plus Atemübungen oder kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining. Trainiert wird zweimal wöchentlich über 12 Wochen; Messungen erfolgen zu Beginn, nach 12 und nach 24 Wochen. Primäres Ziel ist die Verbesserung der aeroben Kapazität (VO2 peak), sekundär u. a. Lebensqualität, Fatigue und Trainingsadhärenz.

Diskussion: Die Studie schließt eine wichtige Lücke in der Behandlung des fortgeschrittenen Lungenkrebses und könnte künftige Leitlinien beeinflussen.

Keywords: fortgeschrittener Lungenkrebs, Trainingstherapie, NSCLC, palliative Behandlung, VO2 peak

Ausgewählte Publikationen der AG Digitalisierung

Kontaktperson

Jan Franco, M.Sc.

Sozial- und Gesundheitswissenschaftler

Test-Retest Reliability of Smartwatch-Derived Features for Longitudinal Monitoring: An Observational Cohort Study

Schneidewind HL, Fellerhoff T, Franco J, Tewes M, Reßing C, Wichum F, Eickhoff C, Eickhoff SB, Dukart J. Preprint. 2026. doi:10.2196/preprints.107218

Beteiligte Forschende aus dem Team: Jan Franco, Mitra Tewes

Jahr: 2026

Journal: Preprint (noch nicht in einer Fachzeitschrift final erschienen)

Hintergrund: Smartwatches werden zunehmend für die dezentrale Datenerhebung in der klinischen Forschung genutzt. Gerade der Alltagseinsatz, der diese Daten attraktiv macht, bringt aber auch Schwankungen mit sich. Bevor ein von der Smartwatch abgeleiteter Messwert für das klinische Monitoring taugt, muss seine Zuverlässigkeit (Reproduzierbarkeit) belegt sein – Werte mit geringer Test-Retest-Zuverlässigkeit schwächen den Zusammenhang mit klinischen Ergebnissen.

Ziel: Untersucht wurde die Test-Retest-Zuverlässigkeit möglicher Smartwatch-Messwerte für das Langzeit-Monitoring bei Erwachsenen mit fortgeschrittener Krebserkrankung und bei gesunden Kontrollpersonen – sowie die Frage, wie stark die Zuverlässigkeit vom gewählten Zeitfenster (Aggregation) abhängt.

Methoden: In einer prospektiven Beobachtungsstudie an einem Zentrum wurden acht Wochen Sensordaten einer Garmin Vivosmart 5 von 60 Erwachsenen mit fortgeschrittener Krebserkrankung und 20 gesunden Kontrollpersonen ausgewertet (77 von 80 lieferten nutzbare Daten). Betrachtet wurden 35 tägliche Messwerte aus sieben Bereichen (u. a. Herzfrequenz und deren Variabilität, Atmung, Sauerstoffsättigung, Schlaf, Aktivität, Stress), jeweils über 1-, 3- und 7-Tage-Fenster.

Ergebnisse: Längere Zeitfenster erhöhten die Zuverlässigkeit in beiden Gruppen. Herzfrequenz- und Herzfrequenzvariabilitäts-Werte waren am zuverlässigsten, während Aktivitäts-, Atmungs-, Schlaf- und Sauerstoffsättigungs-Werte stärker vom Zeitfenster und der Datenverfügbarkeit abhingen. Bei wöchentlicher Auswertung unterschied sich die Zuverlässigkeit zwischen Erkrankten und Kontrollen nicht wesentlich und blieb auch rund um die Therapie stabil.

Fazit: Eine wöchentliche Zusammenfassung verbessert die Zuverlässigkeit vieler Smartwatch-Werte, bleibt aber messwertspezifisch. Herzfrequenz-basierte Werte sind durchgängig verlässlich, einzelne Schlaf- und Sauerstoffwerte nur mäßig. Eine Prüfung der Zuverlässigkeit auf Einzelwert-Ebene ist Voraussetzung, bevor Smartwatch-Daten fürs klinische Monitoring eingesetzt werden.

Keywords: Smartwatch, Wearables, Test-Retest-Zuverlässigkeit, Langzeit-Monitoring, fortgeschrittene Krebserkrankung, Herzfrequenzvariabilität, digitale Gesundheitsdaten

Applicability of a digital health application for cancer patients: a qualitative non-participation analysis

Pfeifer K, Tewes M, Kasper S, Hense J, Franco J, Schuler M, Schöbel C, Ates G. BMC Health Serv Res. 2024;24:1187. doi:10.1186/s12913-024-11654-0

Beteiligte Forschende aus dem Team: Jan Franco, Mitra Tewes

Jahr: 2024

Journal: BMC Health Services Research

Hintergrund: Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) werden in der Patientenversorgung immer häufiger eingesetzt. Menschen mit nicht-organischer Schlafstörung können eine App zur Behandlung von Schlaflosigkeit verordnet bekommen. Da Schlafstörungen bei Krebserkrankten häufig sind, untersuchte die Studie deren Nutzen – und vor allem, welche Hürden der Anwendung im Weg stehen.

Methoden: Zur Analyse der Nutzungsbarrieren wurde die Studiengruppe (Krebserkrankte mit selbstberichteter Müdigkeit oder Schlafstörung) in drei Gruppen unterteilt: Personen, die von vornherein nicht teilnehmen wollten (Gruppe 1), Personen, die eine Verordnung ablehnten (Gruppe 2), und Personen ohne Angaben zur DiGA-Nutzung (Gruppe 3). Verwendet wurden kurze Fragebögen sowie problemzentrierte Telefoninterviews; ausgewertet wurde quantitativ (SPSS) und qualitativ (MAXQDA).

Ergebnisse: Patientinnen und Patienten lehnten in mehreren Phasen der Studie eine Teilnahme ab. In der größten Gruppe 1 verweigerten 62 % die Teilnahme, weil sie ihre Schlafstörung subjektiv nicht als solche empfanden – trotz hoher Werte im Screening. In Gruppe 2 waren Interessenverlust und sich verschlechternder Gesundheitszustand die häufigsten Gründe. In Gruppe 3 zeigte sich, dass einige die verordnete DiGA durchaus nutzten, obwohl sie nicht in die Hauptstudie eingeschlossen waren.

Fazit: Weniger Verwaltungsaufwand sowie digitale und persönliche Unterstützung können die Akzeptanz von DiGA bei Krebserkrankten erhöhen. Screening-Instrumente können zudem als Türöffner für ein weiterführendes Gespräch über DiGA dienen.

Keywords: digitale Gesundheitsanwendung (DiGA), Krebs, Schlafstörung/Insomnie, Nutzungsbarrieren, Versorgungsforschung, qualitative Analyse

Machine Learning-Based Prediction of 1-Year Survival Using Subjective and Objective Parameters in Patients With Cancer

Salvador Comino MR, Youssef P, Heinzelmann A, Bernhardt F, Seifert C, Tewes M. JCO Clin Cancer Inform. 2024;8:e2400041. doi:10.1200/CCI.24.00041

Beteiligte Forschende aus dem Team: Maria Rosa Salvador Comino, Mitra Tewes

Jahr: 2024

Journal: JCO Clinical Cancer Informatics

Ziel: Palliativversorgung wird für Krebserkrankte mit einer Lebenserwartung unter zwölf Monaten empfohlen. Maschinelles Lernen (ML) kann helfen, das Überleben vorherzusagen und zu erkennen, wer am meisten von palliativer Unterstützung profitiert. Untersucht wurde, wie gut sich die 1-Jahres-Sterblichkeit anhand objektiver und subjektiver (selbstberichteter) Merkmale vorhersagen lässt.

Methoden: Zwischen April 2020 und März 2021 füllten 265 Erkrankte mit fortgeschrittener Krebserkrankung ein selbstberichtetes Erhebungsinstrument aus. Aus elektronischen Patientenakten stammende objektive Werte, selbstberichtete subjektive Werte sowie beide kombiniert wurden mittels logistischer Regression, Entscheidungsbäumen und Random Forests (mit 20-facher Kreuzvalidierung) zur Vorhersage genutzt.

Ergebnisse: Die objektiven, klinischen Merkmale waren deutlich aussagekräftiger als die subjektiven, selbstberichteten Angaben (logistische Regression: ROC-AUC 0,81 vs. 0,55).

Fazit: Objektive Merkmale sagen das Überleben deutlich besser vorher als die subjektiv erlebte Belastung – letztere eignet sich für sich genommen nicht verlässlich zur Überlebensvorhersage. Weitere Forschung ist nötig, um die Rolle der selbstberichteten Belastung zu klären.

Keywords: maschinelles Lernen, Überlebensvorhersage, fortgeschrittene Krebserkrankung, Palliativversorgung, patientenberichtete Ergebnisse (PROM)

Ausgewählte Publikationen der AG Integrationsprozesse

Kontaktperson

Dr. med.
Maria R. Salvador Comino

Oberärztin
Palliativbeauftragte
Palliativmedizinerin

Entwicklung digitaler Screeningprozesse für eine konsentierte multiprofessionelle Behandlung am Westdeutschen Tumorzentrum Essen

Tewes M, Gottlieb T, Skoda EM. Die Onkologie. 2024;30(8):721-728. doi:10.1007/s00761-024-01557-4

Beteiligte Forschende aus dem Team: Mitra Tewes

Jahr: 2024

Journal: Die Onkologie

Hintergrund: Ein frühzeitiges Screening auf Unterstützungsbedarfe ist in der Onkologie wichtig, um psychosoziale Belastungen, Symptome sowie palliativmedizinische und fachpflegerische Bedarfe systematisch zu erkennen. Digitale Patient-Reported Outcome Measures (PROMs) ermöglichen es, diese Informationen strukturiert zu erfassen und in bedarfsgerechte Versorgungsangebote zu überführen.

Ziel & Vorgehen: Der Beitrag beschreibt die Entwicklung und Implementierung eines elektronischen psychoonkologisch-palliativmedizinischen Screenings am Westdeutschen Tumorzentrum Essen, ergänzt um Fragestellungen zur onkologischen Fachpflege. Das Vorgehen wird als Best-Practice-Modell dargestellt – von der strukturellen Vorbereitung und Auswahl geeigneter Selbstauskunftsinstrumente über IT-Infrastruktur und klinische Versorgungspfade bis hin zu Pilotierung, Roll-out und Verstetigung.

Zentrale Erkenntnisse: Für die erfolgreiche Einführung digitaler PROM-basierter Screeningprozesse werden sechs zentrale Faktoren hervorgehoben: Patientenorientierung, engagierte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren („Champions“), Standardisierung, eine geeignete IT-Infrastruktur, Anreizstrukturen sowie politischer beziehungsweise institutioneller Wille. Entscheidend ist zudem, dass positive Screeningbefunde unmittelbar mit klar definierten Versorgungswegen verknüpft werden.

Fazit: Digitales multiprofessionelles Supportivscreening kann dazu beitragen, Unterstützungsbedarfe onkologischer Patientinnen und Patienten systematisch zu erkennen und bedarfsgerechte Behandlungsangebote anzustoßen. Für eine nachhaltige Implementierung sind neben der technischen Lösung insbesondere klare Prozesse, interprofessionelle Zusammenarbeit und geeignete strukturelle Rahmenbedingungen erforderlich.

Keywords: digitales Screening, Patient-Reported Outcome Measures, PROM, Supportivversorgung, Palliativversorgung, Psychoonkologie, multiprofessionelle Versorgung

Determining the cut-off value for the Minimal Documentation System (MIDOS2) screening tool to initiate specialized palliative care in inpatients with advanced cancer

Heinzelmann A, Tewes M, Müller S, Sure U, Herrmann K, Schadendorf D, Warnecke E, Rausch R, Skoda EM, Salvador Comino MR. J Cancer Res Clin Oncol. 2024;150(7):360. doi:10.1007/s00432-024-05897-x

Beteiligte Forschende aus dem Team: Maria Rosa Salvador Comino, Mitra Tewes

Jahr: 2024

Journal: Journal of Cancer Research and Clinical Oncology

Ziel: Das Minimale Dokumentationssystem (MIDOS2) wird als Screening-Instrument empfohlen, um Symptomlast und Bedarf bei fortgeschrittener Krebserkrankung zu erfassen. Da ein optimaler Schwellenwert (Cut-off) fehlt, sollte dieser anhand des subjektiven Bedarfs stationärer Patientinnen und Patienten an palliativer Unterstützung bestimmt werden.

Methoden: Stationär behandelte Erkrankte mit fortgeschrittenem soliden Tumor füllten ein elektronisches Selbstauskunfts-Instrument (u. a. MIDOS2) aus. Unterschiede in der Symptomlast wurden zwischen Personen mit und ohne subjektiven Unterstützungsbedarf sowie nach Überlebenszeit (unter/über einem Jahr) analysiert; der Schwellenwert wurde über eine ROC-Kurve bestimmt.

Ergebnisse: Von April 2020 bis März 2021 wurden 265 stationäre Erkrankte eingeschlossen. Der MIDOS2 ergab einen Cut-off von 8 Punkten (Sensitivität 76,4 %, Spezifität 63,0 %); mit doppelter Gewichtung der bedeutsamen Symptome lag der Wert bei 14 Punkten (Sensitivität 78,2 %, Spezifität 72,4 %). 55 Personen (20,8 %) äußerten Unterstützungsbedarf – unabhängig von der Tumorart und häufiger bei einer Überlebenszeit unter einem Jahr.

Fazit: Mit dem ermittelten MIDOS2-Cut-off (bei angepasster doppelter Gewichtung) lässt sich ein großer Teil der stationären Erkrankten passend an die spezialisierte Palliativversorgung überweisen – besonders bei schlechter körperlicher/seelischer Verfassung und einer Prognose unter einem Jahr.

Keywords: Krebserkrankte, MIDOS2, multidimensionale Erfassung, Palliativversorgung, Screening, ePROM

Electronic Patient-Reported Outcome Measures (ePROMs) Improve the Assessment of Underrated Physical and Psychological Symptom Burden among Oncological Inpatients

Warnecke E, Salvador Comino MR, Kocol D, Hosters B, Wiesweg M, Bauer S, Welt A, Heinzelmann A, Müller S, Schuler M, Teufel M, Tewes M. Cancers (Basel). 2023;15(11):3029. doi:10.3390/cancers15113029

Beteiligte Forschende aus dem Team: Maria Rosa Salvador Comino, Mitra Tewes

Jahr: 2023

Journal: Cancers (Basel)

Hintergrund & Ziel: Bei stationären Erkrankten mit fortgeschrittener Krebserkrankung wird die Symptomlast üblicherweise täglich vom Pflegepersonal erfasst. Eine systematische Erhebung direkt bei den Patientinnen und Patienten (PROMs) ist zwar gefordert, aber selten umgesetzt. Die Vermutung: Die gängige Praxis unterschätzt die tatsächliche Symptomlast. Deshalb wurden an einem großen deutschen Krebszentrum systematische elektronische PROMs (ePROMs) eingeführt.

Methoden: In dieser retrospektiven, nicht-interventionellen Studie (September 2021 bis Februar 2022) wurden Daten von 230 stationären Erkrankten ausgewertet und die vom Pflegepersonal erhobene Symptomlast mit den per ePROM erfassten Angaben verglichen.

Ergebnisse: Vor allem Schmerz und Angst wurden vom Pflegepersonal deutlich unterschätzt: Wo das Personal „nicht vorhanden“ dokumentierte, gaben die Betroffenen selbst mindestens leichte Beschwerden an.

Fazit: Die tägliche Symptomerfassung durch das Pflegepersonal um eine systematische, digitale Selbstauskunft (ePROMs) zu ergänzen, kann die Qualität der unterstützenden und palliativen Versorgung verbessern.

Keywords: ePROMs, pflegeberichtete Symptome, Symptomlast, Onkologie, Palliativversorgung

Palliative care outpatients in a German comprehensive cancer center – identifying indicators for early and late referral

Müller S, Fink M, Hense J, Salvador Comino MR, Schuler M, Teufel M, Tewes M. BMC Palliat Care. 2022;21(1):221. doi:10.1186/s12904-022-01114-z

Beteiligte Forschende aus dem Team: Maria Rosa Salvador Comino, Mitra Tewes

Jahr: 2022

Journal: BMC Palliative Care

Ziel: Obwohl eine frühe Einbindung der Palliativversorgung bei fortgeschrittener Krebserkrankung empfohlen wird, erfolgen Überweisungen in die ambulante spezialisierte Palliativversorgung (SPC) häufig spät. Klare Überweisungskriterien fehlen. Untersucht wurden Merkmale, die mit einer frühen bzw. späten Überweisung zusammenhängen.

Methoden: Merkmale, Laborwerte und Symptomlast von 281 Erkrankten bei der ersten Überweisung wurden analysiert. Der Zeitpunkt wurde als früh, mittel oder spät eingeteilt (mehr als 12, 3–12 bzw. weniger als 3 Monate vor dem Tod). Zur Auswertung dienten ordinale logistische Regression und der Kruskal-Wallis-Test.

Ergebnisse: Spät überwiesene Erkrankte (50,7 %) hatten deutlich schlechtere Werte u. a. bei Schwäche, Appetitverlust und Schläfrigkeit sowie eine höhere Gesamt-Symptomlast als früh überwiesene. Auch Marker für eine schlechte Prognose (u. a. erhöhtes LDH, CRP, Neutrophilen-Lymphozyten-Verhältnis, Aszites) waren bei ihnen häufiger. Psychische Belastung und weibliches Geschlecht hingen mit einer früheren Überweisung zusammen.

Fazit: Eine Symptom-Summenskala und Prognosemarker wie NLR oder LDH könnten sinnvoll in Palliativ-Screening-Instrumente aufgenommen werden.

Keywords: fortgeschrittene Krebserkrankung, ambulant, Palliativversorgung, Symptomlast, Überweisungszeitpunkt

Instruments to evaluate complexity in end-of-life care

Martin-Rosello ML, Sanz-Amores MR, Salvador-Comino MR. Curr Opin Support Palliat Care. 2018;12(4):480-488. doi:10.1097/SPC.0000000000000403

Beteiligte Forschende aus dem Team: Maria Rosa Salvador Comino

Jahr: 2018

Journal: Current Opinion in Supportive and Palliative Care

Hintergrund: Die wachsende Zahl von Menschen mit unheilbaren und chronischen Erkrankungen sowie Begleiterkrankungen stellt jedes Gesundheitssystem vor die Herausforderung, am Lebensende eine wirksame, effiziente und patientenzentrierte Versorgung zu bieten. Diese Übersichtsarbeit stellt den Forschungsstand zur Rolle von „Komplexität“ in der spezialisierten Palliativversorgung dar.

Erkenntnisse: Auch wenn Studien zu Komplexität in der Palliativversorgung noch begrenzt sind, nehmen Übersichten zu Komplexitäts-Konzepten zu. Als zentrale Aspekte gelten mehrdimensionale Problemlagen, der Ressourcenverbrauch und deren Zusammenspiel. Daraus wurden validierte Instrumente entwickelt, die helfen, besonders komplexe Fälle zu erkennen (u. a. Hui-Kriterien, PALCOM, INTERMED und das hier vorgestellte IDC-Pal).

Fazit: Es besteht dringender Bedarf, Qualität und Gerechtigkeit der Versorgung für alle palliativ zu versorgenden Menschen sicherzustellen. Komplexitätstheorie in die Praxis zu übertragen, ist dabei entscheidend.

Keywords: Komplexität, Palliativversorgung, Versorgung am Lebensende, Assessment-Instrumente, IDC-Pal

Validation of the Palliative Care and Rapid Emergency Screening (P-CaRES) Tool in Germany

Schmitz J, Tewes M, Mathew B, Bubel M, Kill C, Risse J, Huessler EM, Kowall B, Salvador Comino MR. J Clin Med. 2025;14(7):2191. doi:10.3390/jcm14072191

Beteiligte Forschende aus dem Team: Baicy Mathew, Maria Rosa Salvador Comino, Mitra Tewes

Jahr: 2025

Journal: Journal of Clinical Medicine

Hintergrund & Ziel: Das „Palliative Care and Rapid Emergency Screening“-Instrument (P-CaRES) dient dazu, in der Notaufnahme Patientinnen und Patienten mit palliativem Versorgungsbedarf zu erkennen. Ziel der Studie war es, das Instrument für den deutschen Versorgungskontext zu übersetzen, anzupassen und zu validieren.

Methoden: Monozentrische, nicht-interventionelle, retrospektive Studie in der Notaufnahme der Universitätsmedizin Essen. Nach einem strukturierten Übersetzungsprozess wurde die Verständlichkeit und inhaltliche Gültigkeit über Fragebögen von Mitarbeitenden bewertet. Zur Prüfung der Konstruktvalidität wurden die Ergebnisse mit dem bereits deutsch-validierten SPICT-Instrument verglichen; zusätzlich beurteilte eine für das Instrument verblindete Palliativärztin die Fälle unabhängig.

Ergebnisse: Untersucht wurden 289 Notaufnahme-Besuche; 258 Screenings wurden durchgeführt, davon 50 positiv (19,4 %). Die Übereinstimmung zwischen SPICT und P-CaRES lag bei 88,4 % (Kappa 0,67) mit hoher Spezifität (96,8 %) bei mittlerer Sensitivität (64,7 %). Der Expertenvergleich ergab 85,5 % Übereinstimmung. Verständlichkeit, Anwendbarkeit und Nutzen des Instruments wurden durchweg positiv bewertet.

Fazit: Es konnte eine kulturell und sprachlich gleichwertige deutsche Version des P-CaRES-Instruments validiert werden. Weitere Forschung ist nötig, um seine Wirksamkeit im klinischen Alltag zu prüfen.

Hinweis: 2026 erschien eine Korrektur zu einer Abbildung dieser Arbeit (Correction, J Clin Med. 2026;15(5):1720, doi:10.3390/jcm15051720 ); die wissenschaftlichen Schlussfolgerungen bleiben davon unberührt.

Keywords: Validierungsstudie, Notfallversorgung, Palliativversorgung, Screening, Erfassung des Versorgungsbedarfs

Ausgewählte Publikationen der AG Kardiovaskuläre Erkrankungen

Kontaktperson

Dr. med.
Baicy Mathew

Oberärztin PMD
Palliativmedizinerin

Heart failure therapy in patients with advanced cancer receiving specialized palliative care (EMPATICC trial)

Anker MS, Mahabadi AA, Totzeck M, Tewes M, Khan MS, Mincu RI, Hendgen-Cotta UB, Michel L, Mathew B, Drescher O, Schuler M, Keller U, Rieger K, Ahn J, Bullinger L, Modest DP, Denecke C, Kretzler L, Ramer LV, Krug D, Landmesser U, Lehmann LH, Frey N, Bercker S, Laufs U, Böhm M, Mahfoud F, Merkely B, Diek M, Butler J, Veiser A, Heise T, Hellmich M, Placzek M, Friede T, Anker SD, Rassaf T. Eur Heart J. 2026;47(9):1034-1046. doi:10.1093/eurheartj/ehaf705

Beteiligte Forschende aus dem Team: Baicy Mathew, Mitra Tewes

Jahr: 2026

Journal: European Heart Journal

Hintergrund & Ziel: Eine fortgeschrittene Krebserkrankung kann mit einem herzinsuffizienzähnlichen Krankheitsbild einhergehen, unter anderem mit kardialem Muskelabbau, Atemnot, Flüssigkeitsstau und eingeschränkter körperlicher Funktion. Untersucht wurde, ob eine optimierte Herzinsuffizienztherapie bei Menschen mit fortgeschrittener Krebserkrankung in spezialisierter Palliativversorgung die Selbstversorgungsfähigkeit und das Befinden verbessern kann.

Methoden: Eingeschlossen wurden Patientinnen und Patienten mit soliden Tumoren im Stadium IV, einer Lebenserwartung von ein bis sechs Monaten sowie kardiovaskulären Risikofaktoren und funktionellen Einschränkungen. 93 Erkrankte an fünf Zentren wurden im Verhältnis 1:1 einer optimierten Herzinsuffizienztherapie mit bis zu vier Wirkstoffen oder Placebo zugeteilt. Der primäre Endpunkt berücksichtigte während der 30-tägigen placebokontrollierten Phase unter anderem Tage mit erhaltener Selbstpflegefähigkeit, die Gehfähigkeit und das subjektive Befinden.

Ergebnisse: Beim primären Endpunkt zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen. Die 30-Tage-Sterblichkeit lag insgesamt bei 32 %. Bei den nach 30 Tagen noch lebenden Erkrankten senkte die Herzinsuffizienztherapie jedoch den NT-proBNP-Wert um 41 %, erhöhte die linksventrikuläre Ejektionsfraktion leicht und verbesserte das subjektive Befinden.

Fazit: Die optimierte Herzinsuffizienztherapie verbesserte die Selbstversorgungsfähigkeit in der Gesamtgruppe nicht. Bei den nach 30 Tagen noch lebenden Erkrankten zeigten sich jedoch positive Veränderungen bei kardialen Biomarkern, Herzfunktion und subjektivem Befinden. Diese Ergebnisse liefern erste Hinweise auf einen möglichen Nutzen einer individualisierten Herzinsuffizienztherapie in dieser Patientengruppe.

Keywords: fortgeschrittene Krebserkrankung, Herzinsuffizienztherapie, Palliativversorgung, kardiales Auszehren, klinische Studie